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Seherinnen wurden bei den Germanen schon in der Römerzeit in hohen Ehren gehalten, weil sie als Wahrsagerinnen die Zukunft voraussehen konnten und somit auch den Ausgang von Schlachten prophezeiten. Die Römer erkannten das Vertrauen der Germanen in diese weisen Frauen und versuchten diese darum entweder zu bestechen (um die Prophezeiungen zu ihren Gunsten ausfallen zu lassen) oder aber sie gefangenzunehmen und ins römische Reich zu bringen. Durch die Römer sind die Namen etlicher dieser Seherinnen bekannt (Veleda, Albruna, Ganna, Waluburg), von denen einige ihr Leben als Tempeldienerinnen in Italien oder sogar Ägypten beendeten. Die Seherinnen waren aber keine Priesterinnen. Ihr einziges Standesabzeichen war ein Stab, der den Seherinnen später in Skandinavien ihren Namen gab, denn altnordisch „Völva“ heißt eigentlich „Stabträgerin“ oder eben „Seherin“, bzw. „Litilvölva“ entsprechend „kleine Seherin“.

Die Seherinnen der Wikingerzeit waren aber offenbar nicht nur Wahrsagerinnen, sondern auch Bewahrerinnen des Wissens von der germanischen Mythologie, zumindest wird ihnen in einigen Liedern der Edda solches Wissen zugeschrieben. Dazu gehört vor allem die berühmte Völuspá („Weissagung der Seherin“), welche von den Anfängen der Welt über die Mythologie bis zum Weltuntergang zu den Ragnarök berichtet. „Spá“ heißt nämlich Weissagung, und die Seherinnen konnte man daher auf Altnordisch auch als Spá-kona bezeichnen (kona: „Frau“), also Frauen, die Weissagungen über die Zukunft machen konnten. Solche Frauen trugen ihre Berufsbezeichnung mitunter als Beinamen, wie etwa Heimlaug völva („die Seherin“), Thorbjörg lítilvölva („die kleine Seherin“) und Thordís spákona („die Wahrsagefrau“).

Seit dem Mittelalter schrieb man den Seherinnen aber auch die Fähigkeit zu, die Zukunft beeinflussen zu können, indem sie die Geister beschworen und so etwa eine Hungersnot durch das Herbeizaubern eines Fischschwarms beenden konnten. Diese angeblichen Zauberkünste durch Geisterbeschwörungen führten dann am Ausgang des Mittelalters und in der frühen Neuzeit dazu, dass solche Frauen als Hexen betrachtet wurden, die auch verfolgt und hingerichtet wurden.

Literaturnachweis

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