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Die germanische Mythologie heute – Im 19. Jahrhundert sahen die Forscher kaum einen Unterschied zwischen der heidnischen (d. h. vorchristlichen) Religion der Skandinavier und der Vorfahren der Deutschen und behandelten beides schlicht als „Deutsche Mythologie“ (so der Titel des Handbuchs von Jakob Grimm von 1835). Die Bezeichnung jeglicher germanischer Mythologie als „deutsch“ hat im frühen 20. Jahrhundert bis zur Nazizeit dazu geführt, dass diese gesamte Mythologie als eine Art Religion der „Deutschen“ vor Einführung des Christentums angesehen wurde. Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass die Südgermanen zum großen Teil schon vom 5. bis zum 8. Jahrhundert Christen wurden, die Skandinavier aber erst im 10. und 11. Jahrhundert. Dazu kam, dass wenig ausgereifte Theorien des 19. Jahrhunderts durch Richard Wagner in seinen Opern unglaubliche Verbreitung fanden. Dadurch erhielten auch Walküren, Alben und Riesen mit ihren völlig unhistorischen Hörner- oder Flügelhelmen über die Opernbühne ein Eigenleben, das mit den tatsächlichen Quellen zur heidnischen Zeit fast nichts mehr zu tun hatte. Verstärkt wurden viele Irrtümer durch eine vielfach sehr populärwissenschaftliche Forschung in den 20er- und 30er-Jahren, die von den Nazis als Erforschung einer „echt germanischen Religion“ stark gefördert wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg war daher das Studium der germanischen und skandinavischen Mythologie wenig verbreitet, da die Begeisterung nationalsozialistischer Wissenschaftler und Politiker ihr einen schlechten Ruf eingebracht hatte. Abgesehen von wenigen Ausnahmen beschäftigen sich erst seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts Forscher und Künstler wieder mit Themen der germanischen Mythologie, wobei man jetzt auch auf die sehr großen zeitlichen und regionalen Unterschiede aufmerksam wurde. Diese sind allerdings nicht wirklich überraschend, wenn man bedenkt, dass gewisse Vorstellungen und der Glaube an bestimmte germanische Götter im Zeitraum von etwa 500 v. Chr. bis 1000. n. Chr. verbreitet waren: Von den Goten am Schwarzen Meer bis zu den Angelsachsen auf den Britischen Inseln und – viel später – bis nach Island. Und solche Unterschiede betreffen nicht nur die Götter selbst. So hören wir von einem (Stammes-) Gott Saxnôt eben nur bei den Sachsen, und von Loki außerhalb Skandinaviens gar nicht. Ebenso verhält es sich mit Kultstätten in Mooren, Tempeln oder festlichen Besäufnissen in riesigen wikingerzeitlichen Hallen und auch die Begräbnisbräuche unterscheiden sich oft grundlegend.

Literaturnachweis

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